Publizieren, Promovieren – leicht gemacht | Medizinisches Publizieren: eine komprimierte, unterhaltsame Einführung
20. Juni 2008 von Madeleine Mercado | drucken
Ich hatte noch nicht die Gelegenheit, aber ich stelle mir vor, dass Promovieren im Studienfach Medizin nicht die einfachste Aufgabe im Leben ist. Die hier abgebildete Medizinerin im Kasack schaut jedenfalls nicht allzu hoffnungsvoll auf ihren Bildschirm. Unsicherer Ausdruck um die Mundwinkel, tiefe Augenringe, sie schreit geradezu nach einem Ratgeber. Dieses Buch sollte ihr die notwendige Hilfe bieten. Eine Hilfe, die mit knapp 100 Seiten Umfang überraschend dünn ist. Das Buch verspricht, das Promovieren »leicht« zu machen, untermauert von der Plattitüde »Step by Step«.
Die Autoren Janni und Friese, beide in leitender Position an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig, versprechen auf dem Umschlagstext: »[Das Buch] gibt Ihnen in komprimierter Form wertvolle Tipps, Ihre Forschungergebnisse wirkungsvoll zu präsentieren und zu veröffentlichen«. Weiterhin verspricht es »unbezahlbares Insiderwissen, praxisnah und lebendig präsentiert«, außerdem helfe es alle Klippen auf dem Weg zum Fachartikel, Kongressbeitrag oder zur Doktorarbeit erfolgreich zu umschiffen. Die Erwartungen sind hoch.
Warum publizieren – dieser Frage widmen sich die Autoren in ihrem Vorwort zuerst, stellen dann ihre Erfahrungen aus jahrelanger Betreuungsarbeit in Aussicht und versprechen bei der Schreibblockade (hier: writers block) auszuhelfen. Ganz klar sollen die 110 Seiten aber »nur« Tipps für den Einstieg in das Gebiet geben. Gegliedert haben sie ihr Werk in drei Teile. Zuerst die Grundlagen des medizinischen Publizierens in Form von Literaturrecherche und dem richtigen Schreibstil. Im zweiten und längsten Teil wird die Entwicklung eines Fachartikels beschrieben, die Struktur und Gliederung des Textes, die Auswertung von Quellen, das anschließende Editieren und die Verwendung von Tabellen und Grafiken. Teil 3 kümmert sich ab Seite 87 um das Schlagwort des Titels, die Promotion: Auswahl des Themas, Auffinden des Doktorvaters, Umgang mit der Textverarbeitung und schließlich die Besonderheiten der Dissertationsarbeit.
Der Text ist leicht und knackig geschrieben: »nicht selten kann man [...] seinen Chef über den neusten Publikationsspross informieren und das nächste Fass Bier aufmachen.« Auffällig ist die häufige Verwendung von englischen Schlagwörtern und Phrasen, wie schon bei »Step by Step« statt »Schritt für Schritt« im Buchtitel. Auch die Übersichtlichkeit und die gelungene Typographie haben mich überzeugt. Zweifellos ist dieses Buch ein guter Einstieg und »Schnupperkurs« für Medizinstudenten und studierte Ärzte, die sich zum ersten Mal mit dem Thema Promovieren und vor allem Publizieren beschäftigen. Das grobe Gerüst ist damit hergestellt, mit kreativem Leben füllen sollte es der Leser selbst. Die Augenringe wird die Medizinerin wohl noch eine Weile behalten, zumindest aber einge Unsicherheiten können ihr genommen werden.